3 x Italien

Weingüter und Campingplätze in Südtriol und Trentino


Mit dem Wohnwagen oder Wohnmobil nach Italien ist ein Traum. Wenn man dabei noch das ein oder andere Weingut besuchen und ein paar Flaschen in den Kofferraum laden kann – umso schöner. Bella Italia, wir kommen!

Arndt & Anni Mai, Berufsschullehrer & Erzieherin

Kompliziert ist nichts für die beiden. "Machen" lautet ihr Motto. Kein Wunder, dass sie das Caravaning als perfekte Urlaubsform gewählt haben. "Da muss man nicht lange planen, sondern kann seiner Lust aufs Verreisen einfach nachgeben …"
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Weingut Manincor am Kalterer See

Manincor heißt frei übersetzt „Hand aufs Herz“. Und mit viel Herz und geschickter Hand ist hier der österreichische Graf Goëss-Enzenberg am viel besuchten Kalterer See am Werk. Der See ist – mal ehrlich – alles andere als ein Geheimtipp. Eine Umrundung zu Fuß macht aber dennoch viel Spaß und wir haben einen guten Eindruck von der schönen Weinregion bekommen. Aber zurück zum Grafen, der hier mit all seinen Wein- und Obstgärten, Wäldern und Wiesen eine 400 Jahre alte Tradition aufrechterhält.

Der Wein ist vielleicht das berühmteste Ergebnis dieser Tradition. Ende der 1990er-Jahre kam der Graf aus Kärnten nach Südtirol. Damals erbte er das 453 Hektar große Anwesen mit Land- und Forstwirtschaft und zahlreichen Häusern, einer Burg und vielem mehr. Ein Önologiestudium in Geisenheim in Deutschland war die Grundlage dafür, hier vielfach prämierte Weine zu produzieren. Rot wie weiß. Bei der Klasse und Vielfalt eine Auswahl zu treffen, fällt schwer. Wir haben im modernen Weinkeller, den der Graf neben dem alten Ansitz Manincor errichtet hat, allerlei probiert und uns für diese beiden Weine entschieden – echte Liebhaberstücke:

„Réserve della Contessa“ 2017 – eine Bio-Cuvée aus 60 % Pinot Bianco, 30 % Chardonnay und 10 % Sauvignon Blanc. Ein feiner, eleganter Weißwein mit zarter Frucht und feinem Schmelz (ca. 15 Euro). Und beim Roten konnten wir dem „Mason 2016“ nicht widerstehen, einem Pinot Nero, also keinem wuchtigen Wein, sondern auch hier einem eher noblen, feinen Roten. Saftig und samtig ist er, gibt reife Fruchtaromen preis, hat elegante Tannine und einen Hauch Vanille (ca. 27 Euro).

Stellplatz/Campingplatz: Direkt am Kalterer See zu bleiben, würden wir nicht raten. Ein paar Kilometer östlich liegt mit Camping Steiner ein symphatisch geführer Campingplatz am Ortsrand von Leifers. Zum kleinen Luxus gehört hier ein Camper-Frühstücksbuffet mit Brötchen, Croissants, Kuchen, Obst, Käse, Prosecco und vielem mehr. Das gönnen wir uns – herrlich!

Gefallen hat uns auch der Markushof in Auer, der neben Hotelzimmern auch 78 Stellplätze mit viel Komfort wie einem Pool oder TV-Anschluss bietet. Hunde sind hier allerdings nicht unerwünscht.

Spumante Ferrari bei Trient

Wer von Bozen kommend die Autostrada gen Süden fährt, schreckt kurz hinter Trient leicht hoch, wenn rechts die riesigen Lettern „Ferrari“ aufscheinen. „Hier sind die?“, schießt es uns durch den Kopf … bis wir das Wort Spumante entdecken und der Puls ein wenig nach unten geht. Unberechtigt, wie wir später feststellen werden, denn weniger Wumms als die roten Boliden – ja genau, aus Maranello, nicht Trient! – haben die Spumante von Ferrari beileibe nicht. Auch verwandt oder verschwägert sind die berühmten Spumante-Macher mit den PS-Machern nicht. Ferrari ist so ein Art Müller oder Schmidt in Italien versichert man uns in der Kellerei.

Vor über 100 Jahren hatte sich ein gewisser Giulio Ferrari aus Trient in die berühmte französische Weinbauschule von Montpellier eingeschrieben, da er der Ansicht war, dass sich die Hügellagen seiner Heimat hervorragend eignen würden für Chardonnay und Pinot Noir, zwei der klassischen Champagner-Rebsorten. 1902 legte er den Grundstein für sein Spumante-Imperium, denn ein solches ist es inzwischen. Ferrari Spumante kann es mit dem großen Vorbild in Frankreich locker aufnehmen – und das zu erfreulich günstigeren Preisen. Dazu lässt sich der Weinkeller samt Probe erkunden – ab 15 Euro ist man dabei. Wir haben uns eine Flasche fürs abendliche Wohnwagen-Menü gekauft: einen Ferrari Maximum Rosé für rund 24 Euro. Dieser Spumante lag lange auf der Hefe, was ihm einen Hauch von Brioche-Aroma verleiht, was wir so an Champagner lieben. Mal ehrlich: Wer braucht den noch, wenn es solch erstklassigen Spumante gibt! Wow!

Tipp: Wer schon bei Ferrari in Trient ist, sollte unbedingt durch die Altstadt bummeln. Hier eine Eisdiele, dort ein kleiner Modeladen und ein Cappuccino auf der Piazza del Duomo. In Trient beginnt Italien!

Stellplatz/Campingplatz: Wir haben uns für den Caldonazzo-See entschieden. Das ist zwar ein Stückchen weg von Trient, aber dafür steht man hier mit seinem Wohnwagen oder Wohnmobil direkt am See und kann herrlich Urlaub machen. Zum Beispiel im Camping Punta Indiana am Westufer, mit Stellplätzen direkt am Wasser.

Weingut Le Salette im Valpolicella

Es sind einprägsame Hügel, die das Valpolicella ausmachen. Hier, östlich des Gardasees, wachsen einige der besten Rotweine Italiens. Sie tragen klangvolle Namen: Valpolicella, Ripasso, Amarone … Fünf Täler umfasst das berühmte Weingebiet. Keine ideale Gegend für Wohnmobilfahrer oder gar ein Wohnwagengespann. Die Straßen sind kurvenreich und eng.

Am besten also, man stellt sein Gefährt am Ortsrand von Fumane ab und schlendert gemütlich zum Weingut Le Salette im Ortszentrum. Winzer Franco Scamperle führt mit Hingabe durch Keller und Weinberge. Und serviert seinen legendären Amarone „Pergole Vece“. Wer nicht ganz so tief in seine Tasche greifen will – der Pergole Vece kostet rund 75 Euro – wird sicher auch mit einem wundervollen Valpolicella Classico (rund 10 Euro) glücklich. Wir haben uns ein Kistchen vom Ripasso (ca. 17 Euro) ins Wohnmobil gepackt und bereuen heute noch, dass wir nicht zwei genommen haben …

Tipp 1: In Fumane gibt es mit Valpolicella Adventure Travel, gleich ein paar Meter neben dem Le Salette, einen E-Bike-Verleih. Wer mehr Zeit mitgebracht hat, kann von hier aus herrliche Touren zu vielen weiteren guten Weingütern machen. Das lohnt sich!

Tipp 2: Fumane beherbergt auch eine Höhle, die Grotta di Fumane, die für Besucher zugänglich ist. Ein fast 40.000 Jahre alter Milchzahn, der hier gefunden wurde, gilt als einer der frühesten Beweise dafür, dass der Homo Sapiens schon damals in Europa unterwegs war.

Stellplatz/Campingplatz: Schwieriges Terrain für Camper. Am besten, man bleibt am Gardasee, zum Beispiel bei Bardolino im La Rocca Camping Village, mit sehr schönen, aber nicht ganz günstigen Stellplätzen direkt am See.
Sehr schön fanden wir auch Camping Primavera, 8 Kilometer südlich von Malcesine. Allerdings trennt die Landstraße den Platz vom See.