Verreisen mit Papa im Wohnmobil

Vater-Kind-Urlaub im Wohnmobil mit Tipps von Viktoria, 10 Jahre alt


Ein Urlaub nur mit Papa – herrlich! Mit Papa und Wohnmobil – ein unvergessliches Erlebnis! Vicky und ihr Vater haben dieses besondere Erlebnis wahr gemacht und sind zu zweit allein in den Ferien nach Italien gefahren. Hier lest ihr ihren Unvergessliches-Erlebnis-Bericht

Emma Bauer, Erzieherin

Emma ist Schwedin und kam der Liebe wegen nach Deutschland. Zusammen mit ihrem Mann Tom zieht es sie aber doch immer wieder in den Norden – nach Schottland, Skandinavien oder Island. Die Einsamkeit hat es den beiden angetan …
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Vater-Kind-Urlaub planen – Einverständniserklärung und Vollmacht

Endlich Ferien. Endlich Urlaub. Eine ganze Woche waren mein Papa und ich auf Wohnmobil-Tour. Für meine Mama war das völlig ok. Damit die Einreise nach Österreich und Italien problemlos läuft, haben meine Eltern eine Einverständniserklärung für „ein mit nur einem Elternteil (Vater) reisendes Kind“ Formular vom ADAC (zum Download) unterschrieben, die wir griffbereit ins Handschuhfach legten. Hier verrate ich euch, wie unser Urlaub im Wohnmobil war und gebe Tipps für Leute, die das auch mal probieren möchten. Ab und zu durfte mein Papa auch einen Tipp geben.

Wohnmobil abholen gemeinsam mit dem Papa

Papa und ich sind nach Sulzemoos gefahren, um unser Wohnmobil, Modell „Grand Canyon S“ abzuholen. Echt cool, so ein Hotelzimmer auf Rädern! Es hat nach „neuem Auto“ geduftet und eigentlich war alles, was wir brauchten, von der Küchenzeile, über eine Doppel-Sitzbank mit Esstisch, einem Bett, einem Bad mit Dusche und Schränken, vorhanden. Ein Mitarbeiter erklärte uns, worauf wir bei unserer Reise im Wohnmobil achten müssen. Ruckzuck wussten wir Bescheid, wie die Heizung funktioniert, wie wir an warmes Wasser in Küche und Bad kommen und was es mit dem WC auf sich hat. Unser Bad mit Dusche hatte eher die Größe XXS – da mein Papa vom Typ her aber eher „XL“ ist, haben wir uns schnell entschieden, in den nächsten Tagen die Duschen auf den Campingplätzen zu benutzen.

Wohnmobil gemeinsam einräumen und Schokolade nicht vergessen

Geschirr und Töpfe mussten wir vorab separat bestellen. Wir räumten alles gemeinsam in die Einbauschränke. Sehr beruhigend fand ich, dass alle Schränke nur über festschließende Druckknöpfe geöffnet werden konnten. Auf diese Weise waren wir vor fliegenden Untertassen geschützt, falls mein Rennfahrer-Papa mal ne Vollbremsung machen sollte. Das Wohnmobil war sooo cool! Erstmal räumten wir unsere Sachen, also Bikini, Badehose, Regenjacken, Waschzeug & Co. in die Schränke. Eigentlich nimmt man auf ner „Woh-Mo-Tour“ alles mit, was man für einen Hotelurlaub auch einpacken würde. Zusätzlich haben wir noch Getränke und Schokolade mitgenommen. Viele Leute nehmen ja noch extra Fahrräder mit. Die kann man hinten am Wohnmobil befestigen. Da wir aber hauptsächlich Chillen wollten, haben wir darauf verzichtet. Wie Papa fand, war diese Entscheidung nicht ganz optimal – doch dazu später mehr…

Zum Wolfgangsee im Salzkammergut, fahren und unbedingt vorne sitzen!

Auf der Autobahn von München nach St. Wolfgang am Wolfgangsee im Salzkammergut hat das Wohnmobil meine persönliche „Feuerprobe“ bestanden. Dazu muss man wissen, dass mir auf Autoreisen oft schlecht wird. Und im Wohnmobil? Weil ich unbedingt vorne sitzen wollte, ging es mir super. Ich glaube, dass liegt an den hohen Sitzen und der riesigen Fensterfront mit Panoramablick. Echt toll!

Campingplatz Appesbach: Bei Hochsaison unbedingt vorher reservieren

Im Nu fanden wir unseren Campingplatz. Das Tollste: er liegt direkt am wunderschönen Wolfgangsee. Weil es schon Anfang September, also fast schon Nebensaison war, hatten wir freie Platzwahl. Bei Hochsaison sollte man den Campingplatz aber unbedingt vorher reservieren. Klar, dass wir nah am Ufer parkten. Papa und ich haben sofort unsere fahrbare Luxus-Suite an die Wasser- und Stromversorgung angeschlossen. Das war null schwer, man musste nur ein paar Kabel anstecken.

Die Wassertemperatur testen: Haltet euch vor übermütigen Vätern fern

Sekunden später steckte ich meine Füße in den Wolfgangsee und musste ein bisschen Kreischen: Die Wassertemperatur war sooo kalt – obwohl es draußen noch so schön warm war. Plötzlich wirbelte Papa mich hoch in die Luft und tat so, als wolle er mich mit Anlauf ins Wasser werfen. Mein sehr lautes Kreischen konnte das glücklicherweise verhindern. Haltet Euch also besser vor übermütigen Vätern fern!

Im Supermarkt shoppen und viel Zeit fürs Kochen einplanen

Am frühen Abend schlenderten wir über den Campingplatz und shoppten im bestens sortierten Supermarkt Zutaten für Spaghetti Bolognese und Chips. Das erste selbstgekochte Dinner bereitete ich ganz alleine zu. Papa in der Küche? Streng verboten! Wahnsinn, es dauerte 20 Minuten, bis das Wasser für die Nudeln kochte. Also bitte viel Zeit zum Kochen einplanen. Ich war schon sooo hungrig. Ein Glück, dass wir Schokolade dabei hatten. Ein Riegel davon rettete mich vor einer Hungerattacke. Papa hatte draußen den Campingtisch und die Stühle mit Blick auf den Wolfgangsee platziert und wir aßen ganz romantisch bei Kerzenschein.

Hoch oben schlafen und vor der Reise die Bettgröße checken

Nach dem Geschirrspülen putzten wir nacheinander am „espressotassengroßen“ Waschbecken in unserem Bad die Zähne. Dann bin ich zuerst die Leiter hoch in unseren Alkoven über der Fahrerkabine hochgeklettert. Die letzte Stufe der Leiter zum Bett war so hoch, dass ich fast Spagat machen musste, um im Bett zu landen. Papa, „der Große“, hatte den Einstieg nach oben leichter. Doch merkte er erst im Liegen, dass er für das Bett eigentlich ein paar Zentimeter zu groß war. Papas sollten vor der Reise die Bettgröße checken. Ich fand es da oben voll kuschelig und bin sofort eingeschlafen.

Im Wohnmobil frühstücken Salzstangerl frühstücken

Morgens war die Fensterscheibe voller Wassertropfen. Es regnete in Strömen. Also frühstückten wir im Wohnmobil, was ich sehr gemütlich fand. Papa hatte Semmeln und Salzstangerl zum frühstücken vom Supermarkt geholt. Ehrlich, das waren die leckersten und knusprigsten Salzstangerl meines Lebens.

Mit der Schafbergbahn zum Gipfel und ein Fernglas mitnehmen

So ein Glück: nach dem Frühstück war die Sonne wieder da und so fuhren wir mit dem Bus (die Haltestelle war glücklicherweise direkt am Campingplatz) zur Schafbergbahn. Das ist die steilste Zahnradbahn Österreichs. Ein bisschen schummerig war mir schon, als wir in gerade mal 35 Minuten fast 1.200 Höhenmeter überwanden. Oben angekommen sind wir auf die Schafbergspitze gewandert. Hier oben auf dem Gipfel hatten wir mit unserem Fernglas einen Hammerblick auf gefühlt zig Seen: Wolfgangsee, Mondsee, Fuschlsee – um nur ein paar davon zu nennen.

In der Kaffeewerkstatt Kaiserschmarrn probieren

Wieder unten im Tal angekommen merkten wir erst, wie hungrig wir waren. Papa und ich steuerte sofort die Kaffeewerkstatt im ehemaligen Postamt von St. Wolfgang an und wir probierten den besten Kaiserschmarrn aller Zeiten. Zurück am Campingplatz sind wir abends noch zur Erfrischung in den Wolfgangsee gesprungen. Das war toll. Und ich bin dann bald eingeschlafen.

Zur Kaiservilla in Bad Ischl mit perfektem Wohnmobil-Stellplatz

Weil es am nächsten Morgen schon wieder regnete, haben nach dem Frühstück unsere Zelte, äh, unser Wohnmobil „abgebaut“ und sind erst einmal nach Bad Ischl gefahren. Dort schauten wir die wunderschöne Kaiservilla an, in der die Kaiserin „Sisi“ ihre Sommermonate verbrachte. Ihr Mann, Kaiser Franz Joseph, muss ein leidenschaftlicher Jäger gewesen sein. Überall hingen Geweihe an den Wänden. Ich war happy, weil ich „Sisi“ so mag und Papa war happy, weil wir so schnell einen perfekten, weil riesigen Wohnmobil-Parkplatz fanden.

Über Serpentinen zum Wörthersee – denkt an rutschfeste Matten für die Schränke

Über langgezogene Serpentinenstraßen sind wir dann nach Velden, Kärnten, gefahren. Weil wir keine rutschfesten Matten für die Schränke dabei hatten, klapperte das Geschirr bei jeder Kurve. Unser Campingplatz „Weisses Rössl“ war superschön oberhalb des Wörthersees gelegen. Lustig, zeitgleich mit unserer Ankunft startete dort ein Harley-Davidson-Treffen. Nachmittags chillten wir am See um die Wette.

Dinner mit Schwan Rudi im Restaurant Rosé und zurück per Wassertaxi

Abends spazierten wir zum schicken Restaurant Rosé, direkt am Wörthersee. Ein echter Geheimtipp. Unser Tisch war direkt am Wasser und bevor die Vorspeisen „Tafelspitzboullion“ für mich und „Tartar“ für Papa kamen, schwamm Schwan „Rudi“ um die Ecke und wurde vom Restaurant-Chef gefüttert. Sooo süß! Obwohl ich noch ein Backhendl und Papa Calamari schlemmte, musste ich zu guter Letzt eine Tarte au chocolat mit Papa teilen. Das war alles megalecker! Der Clou des Abends: Wir fuhren per Wassertaxi mit lauter, cooler Lounge-Musik zurück zum Campingplatz. Hammer, dieser Tag. Ich bin glücklich und müde ins Bett gefallen.

Nach Grado/Italien fahren bei 30 Grad Celsius

Morgens machten wir uns startklar für die Abfahrt. Mittlerweile waren wir beim Abstecken der Kabel, Wasser auffüllen & Co. ja ein eingeschworenes Team. Routiniert erledigten wir jeden Handgriff und sagten: Servus Österreich! Dann rollte unsere längste Etappe über die Alpen auf der Tauernautobahn nach Grado an der Adria an. Wahnsinn, auf einmal kletterte die Temperaturanzeige auf 30 Grad Celsius!

Am Campingplatz Tenuta Primero Grado sofort an den Strand rennen

Dieses Mal musste Papa die Anmeldung am Campingplatz in Grado ohne mich machen. Ich hatte nämlich plötzlich einen wichtigen Termin: an den feinsandigen Strand rennen und ins Meer springen. Als Papa dazukam, hatte ich längst eine Spielkameradin zum Planschen und Burgen bauen gefunden. Und Papa? Chillte ne Runde beim Aperitivo in der Kite Bar.

Ins Centrum von Grado fahren: „Ach hätten wir doch Fahrräder mitgenommen“

Abends hatte ich Lust auf Lasagne und Papa auf Fritto Misto. Da es uns zum Laufen ins Zentrum von Grado zu weit war, fuhren wir kurzerhand im Wohnmobil zum Restaurant Androna. Dafür mussten wir vorher alles abbauen und einpacken. Papa ärgerte sich ein bisschen, weil wir ewig keinen Parkplatz fanden. Er jammerte: „Ach hätten wir doch Fahrräder mitgenommen.“ Das betonte er an diesem Abend ungefähr hundert Mal! Später bummelten wir mit einem leckeren Gelato durch die Fußgängerzonen hin zum malerischen Hafen.

Drei Tage lang an Stränden mit der Blauen Flagge chillen und baden

Die drei Strände Grados, Costa Azzura, Pineta und Spiaggia Principale sind übrigens mit der Blauen Flagge ausgezeichnet. Diese steht für beste Strand- und Meerwasserqualität. Kein Wunder, dass wir in Grado den perfekten Strandurlaub machten. An einem Nachmittag habe ich das Buch „Die magischen Tiere – endlich Ferien, Ida und Rabbert“ komplett durchgelesen. Wir mieteten ein Tretboot, machten einen Bootsausflug nach Venedig, kochten Spaghetti mit Scampi vom Markt und picknickten am Strand und chillten gemeinsam um die Wette.

Nach München zurückfahren und ein Schraubglas mit Sand und Muscheln mitnehmen

An unserem letzten Tag war ich echt traurig, dass unser cooler Wohnmobil-Urlaub schon zu Ende war und wir nach München zurückfahren mussten. Papa tröstete mich und sammelte mit mir Muscheln, die wir mit Sand in ein Schraubglas füllten. Auf der Heimreise schwelgten wir in unseren Erlebnissen, vom Schwan Rudi über die Disko-Motorbootfahrt bis hin zu den nicht vorhandenen Fahrrädern. Eins steht fest: Ich will unbedingt wieder mit Papa auf Wohnmobil-Tour gehen.